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Tagung zur aktuellen Situation professioneller Musikschaffender PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von mh   
Freitag, 26 Februar 2010

Komponisten und Textdichter (=> "Musikautoren") sowie auch Musiker (=> "Interpreten") stehen mit dem Rücken an der Wand ...

Nicht genug damit, dass die Folgen der Digitalisierung den Erträgen ihrer Arbeit entgegenstehen, im Zuge des technologischen Fortschritts finden gesellschaftliche Veränderungen und kultureller Wandel statt, die gemeinsam zu der bizarren Situation führen, dass Musikprofis sich dafür rechtfertigen müssen, eine monetäre Gegenleistung für die Nutzung ihrer Arbeit zu verlangen. 

Unsere Erfahrung zeigt, dass Verständnis für unsere Situation als Musikprofis nur zu erreichen ist über den langen und wenig erfreulichen Weg der Aufklärung. Die wenigsten, die eine Meinung zum Urheberrecht haben, wissen, was es heißt davon zu leben. Kaum einer derjenigen, die sich lautstark über die GEMA erregen, weiß um deren rechtliche und formale Prinzipien, von korrekten Informationen über die Verteilungspläne ganz zu schweigen. Offenkundige Parallelen der Entwicklungen in den Bereichen Musik - Journalismus - Regie/Drehbuch - Belletristik etc. werden wenig diskutiert, weil man sich innerhalb der Teilbereich kaum auf Bestandsaufnahmen einigen kann. Und mit den Urhebern redet im Zuge der Reformierung des Urheberrechts ohnehin selten jemand. 

Umso wichtiger ist es, dass die Betroffenen, also angehende und professionelle Komponisten, Arrangeure, Bearbeiter, Textdichter und alle, die als Musiker arbeiten (!), bescheid wissen über die Gefahr, die im Verzug ist. 

Dazu will eine Veranstaltung des Landesmusikrats NRW, des Kulturrats NRW und von mediamusic beitragen, die am 15.April 2010 im Alten Pfandhaus in Köln stattfinden wird. 

Hier sollen Experten und Betroffene ins Gespräch gebracht werden, es sollen Erfahrungsberichte, Positionen und Perspektiven ausgetauscht werden, um allen Anwesenden zu ermöglichen, ihre eigene Rolle im Spiel besser definieren zu können. Das ist entscheidend, denn die krisenhafte Situation der Musikwirtschaft (NICHT Musikindustrie!) wird nicht von einigen wenigen Funktionären zu lösen sein. 

Weiter zur offiziellen Ankündigung der Tagung ...:  

Ende der Nahrungskette?
LMR NRW,  24.02.10

Fachtagung „Kreative & Interpreten als Global Players zwischen Kulturförderung und Kreativwirtschaft?“
am 15. April 2010 im Alten Pfandhaus Köln

Wer erwägt, von seiner künstlerischen Kreativität leben zu wollen, mag angesichts der derzeitigen Entwicklung der Kultur- und Kreativwirtschaft wie das Kaninchen auf die Schlange blicken. Er sieht nicht nur zahlungsunwillige Tarifpartner, sondern auch generelles Unverständnis für die Bedingungen und Prinzipien seiner Arbeit – auch auf Seiten der Musikhörer und Kulturteilhabenden.

Vielen Künstlern und Kulturschaffenden fällt es schwer, sich auf die Terminologie und Denkweise eines wirtschaftlichen Systemzusammenhangs einzulassen: Wertschöpfungsketten, Erlösmodelle, Lizenzerlöse, Urheber- und Leistungsschutzrechte – wie soll einer all das beherrschen und gleichzeitig Kunst schaffen? kann ein Musikschaffender noch vom Musikmachen leben, ein Texter vom Texten? Stopp: Falscher Ansatz, falsche Frage! Kunst und Kommerz sind keine unvereinbaren Gegensätze. Doch kein Musikschaffender kann vom Musikmachen leben, sei er Autor oder Interpret.

Das Erlösmodell jedes professionellen Autoren in Musik oder anderen Kultursparten ist jedenfalls das einer der Lizenzierung. Die Wertschöpfung erfolgt durch die Verwertung, d.h. durch den Handel mit Nutzungsrechten am geschaffenen oder interpretierten Repertoire. Ausgangspunkt jeder Wertschöpfung innerhalb der Medien- und Kulturwirtschaft ist der Schöpfer eines Inhalts.

Doch steht der, der am Anfang der Wertschöpfungskette steht, nicht eher am Ende der Nahrungskette? Sind die Verwerter nicht größer, kapitalstärker und politisch durchsetzungsfähiger? Für den Einzelnen erscheint das existenziell bedrohlich, für die Gesellschaft bedeutet es die handfeste Gefahr des Verlusts überlebensnotwendiger Innovationskraft.

Welche Möglichkeiten gibt es, dieser Entwicklung zu begegnen – individuell oder im Kollegenkreis/Kollektiv? Sollte sich ein künstlerisch Kreativer auf dieses System noch beruflich einlassen? Wo ist „mein“ Platz in diesem System? Die Tagung sucht nach Antworten auf solche Fragen, durch Beiträge von Experten und durch den unmittelbaren Austausch untereinander.

Landesmusikrat, Kulturrat NRW und mediamusic laden ein zur Expertendiskussion, zur Beratung und zum offenen Gespräch am 15. April, 14.30 h, ins Alte Pfandhaus, Kartäuserwall 20, 50678 Köln. Es begrüßt Dr. Gerhart Baum (Kulturrat NRW). Durch die Diskussionen führen Ursula Theissen, Matthias Hornschuh sowie die Rechtsanwälte Thomas Kipp und Stephan Benn. Anmeldung bitte an Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst (keine Teilnehmergebühr).

Matthias Hornschuh und Robert v. Zahn
Letzte Aktualisierung ( Samstag, 28 August 2010 )
 
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